Zuflucht der Stillen Heilkraft

Leseprobe, Dezember 1949

1949 Dezember, Brief 27, Thema: Weihnachtsbotschaft

Meine lieben Freunde, liebende Grüße an Sie alle! Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass Sie in dieser Jahreszeit jetzt Frieden, Liebe und Fülle haben, wie auch in den folgenden Jahren.
Auf der ganzen Welt kommen derzeit millionen Menschen freudig zusammen. Wie ein Fieber verbreiten sich Freude, Inspiration und guter Wille. Wie könnte es anders sein, wenn derzeit jede(r) durch die schöne Geschichte vom ersten Weihnachten vor fast zweitausend Jahren gefangen genommen ist, wo der ganzen Welt der Schlüssel zur Liebe, zum Glauben und zum Leben präsentiert wurde.
Die Hirten auf ihren Knien mit ihren Herden, die friedlich um sie herum grasen, und die weisen Männer mit ihren Geschenken stehen vor Maria mit ihrem Kinde in den Armen. Die Mutterschaft wurde zum höchsten Gipfel menschlichen Denkens erhoben, der Christus wird durch eine Frau geboren – die großartige Wahrheit wurde durch die Frau offenbart, dass in jedem geborenen Kinde der Christus weilt.
Das ist die höchste Form menschlichen Denkens, das es allen ermöglicht, ihre Gottheit durch die Kraft des „Glaubens“ zu erreichen. Gläubige und Ungläubige sind sich darin einig, dass sich an jenem Weihnachtsabend vor langer Zeit in Bethlehem die Vision guten Willens gegenüber allen Menschen über die ganze Welt ausbreitete.
Doch die Welt an sich ist weit entfernt von der vollkommenen Vision einer Welt, in der Liebe, „Glaube” und Gerechtigkeit regieren, und wo der Mensch Gott mit all seinem Herzen und seinen Nächsten wie sich selbst liebt. Diese stets sprudelnde Quelle lebendigen Wassers wird der Menschheit als kostenloses Geschenk dargeboten, das zum ewigen Leben führt.
In einer Welt, die von Streit, Neid und Trennung zerrissen ist, erhebt der Mensch noch immer seinen Blick zum Stern von Beth-


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lehem, der noch immer so prachtvoll strahlt wie einst am ersten Weihnachtsabend. Er ist nicht nur noch immer hier, sondern er wird uns durch den Glauben des Menschen aus Galiläa näher gebracht. Sein Glaube war das Gewahrsein seiner Einsheit mit dem Vater, sein Glaube war das Gewahrsein der „Gegenwart“ Gottes.
Dieser Glaube wird von den meisten Menschen nicht verstanden. Es ist kein Glaube an einen auswärtigen Gott, kein Glaube an irgendeinen Einzelnen bzw. an eine äußere Instanz, auch ist es kein Glaube an irgendetwas, was relativ zum Ich ist – sondern an den Christus im Inneren, sondern an das Gewahrsein des Ichs – der Christus, die innewohnende Gegenwart des Vaters, nicht als ein getrenntes Wesen, sondern als „eins“ in ewiger Einheit, so dass Sie, was auch immer Sie in dem Glauben erbitten, dass Sie es haben, bekommen werden.
Zu einem Mangel an Glauben kommt es, wenn das Ich durch Angst und Zweifel beeinflusst ist, nicht wissend, dass es nur eine Substanz und einen handelnden Christus gibt. Daher werden der Glaube und der Zweifel einander stets in einem Geiste gegenüber stehen, welcher der Wahrheit der lebendigen Gegenwart des Christus nicht gewahr ist.
Indem Ihr Verstehen vom Handeln Ihres Denkens wächst, wird proportional die Kraft Ihres Glaubens gesteigert. Wenn Sie des Handelns Ihres Denkens gewahr werden, werden Sie das Ergebnis kennen, bevor Sie beginnen. Das ist bewiesen in des Meisters Aussage, „Glaubt, dass ihr empfangen habt und ihr werdet es haben.“
Es gibt zwei Tatsachen, denen Sie Ihre volle Aufmerksamkeit schenken müssen.
Die erste Tatsache ist, dass die vollkommene Freiheit des Einzelnen mit dem Willen des „Vaters” überenstimmen muss, der sich selbst im Einzelnen manifestiert – und jedes System, das von Ihnen eine blinde Unterwerfung an wiedrige Umstände als eine Unterwerfung an den Willen des Vaters fordert, versagt

 

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gänzlich darin, die Lehre des Meisters zu verkünden – der vor allem Anderen unsere göttliche Autorität offenbarte.
Die zweite Tatsache ist sogar noch wichtiger, nämlich, dass unser tief verwurzelter ignoranter Glaube an das Gegenteil uns in allen Arten von Begrenzungen festhält.
Nun zeigt uns der Meister, dass wir herausfinden werden, dass wir gar nicht gefesselt sind, wenn wir die Wahrheit über uns selbst kennen – denn wir sind gänzlich frei – und es ist diese Unkenntnis unserer göttlichen Natur, die all unsere Begrenzungen und Fesselungen verursacht.
Es befreit uns nicht, gegen irgendwelche Bedingungen und Begrenzungen zu kämpfen, es intensiviert sie lediglich, wegen unseres Glaubens daran, wegen unserer Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass, „der Vater und ich eins sind.“
Wenn Sie einen Samen in die Erde legen, gehen Sie fort und lassen ihn dort; die Intelligenz wird aktiv und reproduziert ihresgleichen. Wenn Sie einen Samen in den Geist setzen, findet derselbe Vorgang statt, „der Vater vollbringt das Werk“, wie es auf Erden geschieht, so geschieht es im Himmel.
Hiob sagte, „Was ich fürchtete, kam über mich“, und das ist dasselbe Gesetz im Umkehrschluss, darum ist „Glauben“ reines Denken auf Seiten des Einzelnen, der denkt; zu unwissendem Denken kommt es, wenn dieses Gesetzt nicht gänzlich anerkannt wird. Darum sage ich Ihnen, dass das Denken, sei es, dass es in Furcht oder im Glauben geschieht, auf dasselbe Ergebnis hinausläuft – entweder haben Sie oder Sie haben nicht.
Der Mensch aus Galiläa zeigte, dass sein Glaube das Ergebnis seines Gewahrseins dessen war: „Der Vater und ich sind eins.“ Wenn Sie meinen letzten Brief über Petrus lesen, wo er sich etwas Ungewöhnliches tun sah und sein Glaube ihn verließ, werden Sie sehen, dass die Sache bei Ihnen ganz ähnlich gelagert ist.
Bitten Sie und Sie werden erhalten, vorausgesetzt, Sie bitten richtig! Das Bitten muss mit der dominierenden Geisteseinstel-

 

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lung geschehen, die es ablehnt aufzugeben, die es ablehnt sich zu sorgen, die es ablehnt sich zu fürchten. Sie müssen das schöpferische Prinzip frei handelnd betrachten, seine eigene Weisheit in der Manifestation der erbetenen Dinge ausübend.
Ihr Glaube im schöpferischen Prinzip wird zum Beweis dessen, was produziert wird. Wenn die Saat gesät ist, wässern Sie sie mit Glauben und Verstehen und sie wird zur Frucht reifen.
Die meisten Menschen glauben an das Schlechteste, sie glauben, dass sie bereits das Schlechteste erhalten haben, während viele, die Erfolg haben mögen, keinen wirklichen Erfolg haben, weil sie das Gesetz nicht kennen, durch welchen er zustande kam.
Dem, der „Glauben“ hat, wird mehr gegeben werden, demjenigen aber, der keinen „Glauben“ hat, wird selbst das, was er hat, noch genommen werden. Entsprechend Ihrer Erfahrungen aus der Vergangenheit berechnen Sie die Wahrscheinlichkeiten etwas zu erreichen. Jesus sagte, „Demjenigen, der glaubt, ist alles möglich“, darum müssen Sie über Ihre Erfahrungen hinaus auf das vollkommene Gesetz der Freiheit blicken, wissend, dass, wenn Sie im „Glauben“ bitten, es Ihnen zuteil werden wird.
Wenn andererseits Ihre Erfahrungen in der Vergangenheit erfolgreich waren und Sie dieser Erfolg der bewussten Nutzung Ihres „Glaubens“ beraubt, befinden Sie sich im Treibsand. Denn nur derjenige ist erfolgreich, der über seine Erfahrungen hinaus auf jenen sicheren und stabilen Zustand blickt, wo, „der Vater das Werk vollbringt“, und Sie werden dabei in natürlicher Weise konstruktiver denken und die Dinge durch Ihr Verstehen erschaffen.
Somit sind Sie von der größeren Weisheit des „Einen“ abhängig, von dem, was größer ist, und nicht von Ihren Erfahrungen aus der Vergangenheit, seien diese gut, schlecht oder mittelmäßig. „Wenn es euch an Weisheit mangelt, bittet Gott, der dem Menschen frei und gnädig gibt, und es wird ihm gegeben werden, aber lasst ihn mit nimmer zweifelndem Glauben bitten,

 

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denn wer zweifelt, ist wie die Wellen des Meeres, vom Winde verweht und umhergetrieben.“ (Jakobus 1: 5-6, Östlicher Text).
Bei allen großartigen Errungenschaften ist der „Glaube“ bewusst eingesetzt worden, als Ergebnis einer wirklichen Kenntnis um den Glauben, der die Substanz der erhofften Dinge ist, der Beweis der ungesehenen Dinge. Im Hebräerbrief in Kapitel 2, Vers 1 (Östlicher Text) lautet die Übersetzung wie folgt, „Nun ist Glaube die Substanz der erhofften Dinge, gerade so, wie er die Substanz der bereits geschehenen Dinge war und er ist der Beweis der ungesehenen Dinge.“ In Vers 3 heißt es, „Denn es geschieht durch den Glauben, dass wir verstehen, dass die Welten durch das Wort Gottes gestaltet wurden, so dass die Dinge, die gesehen werden, aus dem kamen, was nicht gesehen wird.“
Das bedeutet, dass jener Glaube Gottes derselbe Glaube in der Menschheit ist. Denn, was Gottes ist, muss notwendigerweise auch dem Menschen innewohnen, der nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen wurde. Könnte man es irgendwie klarer darstellen, um das vollkommene Gesetz der Freiheit zu offenbaren, welches das unsere ist, durch das Wort, das bei Gott war, eben jenes Wort, das Gott war und eben jenes selbe Wort, das Fleisch wurde?
Wenn Sie Ihre Sehnsüchte herausarbeiten, werden Sie feststellen, dass sie einerseits unter dem Druck des Mangels stehen und andererseits ein Gefühl der Hoffnung auf deren Erfüllung hegen. Wenn Sie Ihren Geist sorgsam untersuchen, werden Sie sehen, dass diese Vorstellungen Seite an Seite existieren. Warum existieren sie Seite an Seite? Ganz einfach, weil Sie das Gesetz des „Glaubens“ nicht verstehen, welches das Schöpfungsgesetz ist; wenn Sie glauben, dass Sie empfangen haben, werden Sie es haben.
Wenn wir die Lehren des Menschen aus Galiläa studieren, erkennen wir, wie wahr sie sind. Das Abschiedsgeschenk des Menschen aus Galiläa wird immer bei uns bleiben und seine

 

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Weisheit wird stets zur Führung unserer Geister und Herzen in der Welt zur Verfügung stehen.
Wenn der Mensch damit aufhört, durch böse Augen zu blicken und stattdessen durch Augen blickt, die mit Licht erfüllt sind, wird die Wirklichkeit der Vollkommenheit so sicher wie auf den Tag die Nacht folgt in die Welt kommen, denn wenn das göttliche Licht erstrahlt, wird die Dunkelheit weichen.
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubt, wird dasselbe tun und sogar größere Dinge als diese.“
Wir müssen die Vision des vollkommenen „Glaubens” hegen, nicht als einen Stern in weiter Ferne, sondern allgegenwärtig in uns; wir werden von uns wissen, dass wir mit dem vollkommenen Gesetz der Freiheit eins sind. Wir werden in jener wahren Vision des „Glaubens“ leben, „Und wenn ihr mich gesehen habt, habt ihr den Vater gesehen.“
Die Geburt des Christus steht jedem zu, und mit eben dieser Verwirklichung wird der äußere Wandel zustande kommen, „Das Innere wird das Äußere und das Äußere wird das Innere.“ Glauben Sie, dass es getan ist, und es wird getan sein. Glauben Sie zuerst an Gott, glauben Sie dann an sich selbst – das ist das Geheimnis eines wahren „Glaubens“, den der Meister unseretwillen demonstrierte. So anerkennen wir seine Großartigkeit, auf dass wir wie er werden mögen.

 

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Danksagung / Gebet


Oh, meisterlicher Seemann, übernimm mein Schiff, denn du bist die Weisheit meiner Seele.
In der Unwissenheit um deine Gegenwart wurde ich von Wind und Wellen hin und her geworfen.
Das Meer meines Geistes kräuselte sich vor Angst und Zweifel und deine Spiegelung war undeutich.
Nun bist du der Kapitän meines Schiffes, es steuert auf deine Küste zu.
Oh, meisterlicher Seemann, übernimm du allezeit mein Schiff, dann weiß ich, dass ich sicher bin, denn wo deine Gegenwart ist, ist alles gut, das ist mein „Glaube“, oh, geliebter Einer.


MEIN FRIEDEN UND MEINE LIEBE BLEIBEN BEI IHNEN


Egebenst Ihr,
M. MacDONALD-BAYNE

12 Briefe aus der Zuflucht 1949

Buch, A5, Paperback, 116 Seiten

12 Briefe aus der Zuflucht 1949

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